Syndicate – Gamecheck

Nach der Mitteilung das unter dem Namen des Klassikers Syndicate kein Taktikspiel, sondern ein Egoshooter entsteht, musste sich das schwedische Entwicklerstudio Starbreeze zum Teil harsche Kritik anhören. Dazu kamen weitere unschöne Details. Unter andere bewilligte Publisher Electronic Arts kein Geld für Bots im Coop-Modus und zu guter letzt verweigert dann auch noch die deutsche USK dem Programm wegen seiner Gewaltinhalte die Freigabe für den umsatzstarken deutschen Markt.

Ein paar Erinnerungen an das alte Syndicate weckt das neue Spiel tatsächlich. Fluggleiter sehen fast aus wie damals im Spiel. Details wie Leuchtreklamen im asiatischen Stil und Teile von Gebäuden könnten Veteranen ebenfalls bekannt vorkommen. Angeblich stammen sogar Teile der Levelgrundrisse aus dem Klassiker von Peter Molyneux.

Die Spieler treten im Jahr 2069 als Agent Miles Kilo für den Konzern EuroCorp an. Die Firma verfügt über ein besonders leistungsstarkes Gehirnimplantat. Dummerweise hat es ein Konkurrent geschafft einen ganz ähnlichen Chip zu entwickeln. Um de Auseinandersetzung dieser beiden Unternehmen dreht sich die Handlung. Das bedeutet das Agent Kilo viel in Forschungslaboren, Bürotürmen und anderen Hightech-Umgebungen unterwegs ist. Stellenweise erinnern Szenario und Handlung dezent an bekannte andere Egoshooter. Allerdings geht es in Syndicate sehr linear zu. Alternative Routen gibt es in den schlauchförmigen Levels so gut wie nie. Auch die Story entpuppt sich leider später als längst nicht so interessant wie es zuerst den Anschein hat. Für ausreichend Motivation zum weiterspielen sorgt sie aber immerhin.

Dank Chiptuning im Kopf hat Agend Kilo deutlich mehr Fähigkeiten als seine Gegner. Insbesondere verfügt er über eine Reihe von Spezialangriffe. Er kann Feine auch über grössere Distanz in eine Art “Selbstmord” treiben. Die Soldaten schreien dann erst laut auf und wenige Augenblicke später explodiert ihr Kopf und schubst mit etwas Glück weitere Kollegen in den Tot. Kein Wunder das die USK da offenbar gewisse Bedenken hat. Diese Hack funktionieren allerdings nur bei Gegner welche ebenfalls gechipt sind, aber nicht bei Menschen ohne Implantat, die später in der Story auftauchen. Alternativ kann der Spieler dem Gegner per Hack die Schusswaffe aus der Hand fegen, wodurch die Soldaten praktischer weise auch einen Teil ihres allgemeinen Schutzes verlieren und besonders anfällig für Kugeln werden. Ebenfalls sehr nützlich ist der Mindhack mit welchem Agent Kilo Gegner auf seine Seite ziehen und ihn so gegen seine Kollegen kämpfen lassen kann.

Immer wieder muss der Agent ausserdem Computerterminals, Aufzüge oder sonstige Gerätschaften hacken. Was in Syndicate ohne die Minispielchen funktioniert, welche in anderen Spielen fällig wären. Gelegentliche, durchaus gelungene, Rätsel gibt es trotzdem. Beispielsweise muss der Spieler in einer hohen Halle den Lift per Fernsteuerhack so steuern, das jeweils die nächste Etage erreichbar wird. Auch wer pure Action bevorzugt, dürfte sich dadurch nur minimal gestört fühlen. Das Waffenarsenal ist ebenso umfangreich wie unauffällig. Besonders viel haben die Entwickler aus dem Science Fiktion Szenario nicht gemacht. Es gibt unter anderem eine ganz gewöhnliche Pistole, ein Maschinengewehr und eine Minigun. Dazu eine Schusswaffe mit dem man ein Ziel markieren kann und es dann auch trifft wenn man in eine andere Richtung blickt.

Etwas spannender sind da schon die Extras mit denen der Spieler die Fähigkeiten seiner Figur wie in einem Rollenspiel verbessern kann. Beispielsweise lässt sich die Regeneration der Gesundheit verbessern und die Zeiten beim Nachladen oder Wechseln der Waffe verkürzen. Neben der gut sieben bis zehn Stunden langen Kampagne gibt es auch einen taktisch angehauchten Multiplayer-Modus, auf dem sich bis zu vier Spieler auf neuen Karten nach und nach von einem Ziel zum Nächsten voran kämpfen.

Wer den Namen Syndicate ignoriert und einfach keine Neuauflage des Klassikers erwartet, bekommt einen unkomplizierten Shooter ohne echte Überraschungen. Die Grafik wirkt oft etwas steril, passt aber gut zur Handlung. Die Kämpfe sind gradlinig inszeniert und die KI der Gegner ist erstaunlich gut. Die Story wirkt zudem nicht schlechter als die aus vergleichbaren Titeln. Unterm Strich: Gelungenes Spiel ohne besondere Überraschungen. WERTUNG: Grafik: 87%, Sound: 85%, Steuerung: 89%, Balance: 85%, Spielspass: 87%, Mehrspieler: 80%, Gesamtwertung: 86%.