Deadpool – Gamecheck ( Playstation 3)

Deadpool ist Marvels schrulligster und verrücktester Anti-Held. Dabei gab es schon einige Superhelden vor ihm, die ein eigenes Videospiel bekommen haben. Viele fuhren allerdings mit voller Wucht gegen eine Betonmauer und versanken in den Spiele-Shredder. Die Entwickler der High Moon-Studios versuchen nun diesen Fehler zu vermeiden.

Marvel-Söldner und Anti-Held Wade Wilson macht genauso wie sein Kumpel Wolverine beim Waffe X-Projekt mit und bekommt dadurch auch so irre Selbstheilungskräfte. Dadurch ist Deadpool super zäh und trinkfest, wird aber durch superschnell nachwachsenden Hautkrebs, aber auch irre hässlich und wegen regenerierten Gehirntumoren schizophren irre. Und genau dieser Deadpool zwingt die Entwickler von High Moon Studios ein beklopptes Action-Spiel für PS3, Xbox 360 und als Steam-Version für PC für ihn zu machen. Mit so jemanden zusammen zu arbeiten ist besonders schwierig. Generell könnte er sich freuen, denn er hat sein eigenes Videospiel erhalten. Aber die Entwickler halten ihm so ein eng gestricktes Script vor die Nase und das schmeckt dem Anti-Helden überhaupt nicht. So was kann sich ein Deadpool nicht gefallen lassen, worauf er am Spiel etliche Änderungen vornimmt und wir sind dann auch schon mittedrin im Spiel. So viel zur Geschichte des Spiels.

Herzstück des Spiels ist die Figur Deadpool selbst. Selten gab es Spielcharaktere, die eine derart große Klappe und so ein Sprüchearsenal besitzen, die in fleischgegossene Form eines Dachschadens. Seine drei Identitäten quatschen einem pausenlos ins Ohr ohne dabei nervig zu werden. Der Superheld schimpft wie ein Rohrspatz, vor allem wenn ihr dafür gesorgt habt, dass er seine Wunden regenerieren muss. Er kommentiert euren Spielstil und eure Fehler und fordert euch immer wieder auf, doch endlich seine Waffen oder Spezial-Fähigkeiten zu verwenden. Das bietet ausgezeichnete Unterhaltung und bringt den typischen Deadpool-Humor ins Spiel, den vor allem Comic-Fans lieben.

Selbstverständlich dürfen Kämpfe nicht fehlen. Diese fallen, wie soll es auch anders sein, extrem übertrieben aus. In der Third-Person-Perspektive stehen euch diverse Schusswaffen und Klingen zur Auswahl. Er kann sich aus der Schusslinie teleportieren oder blockt und kontert Angriffe. Ihr verbindet Nah- mit Fernkampfangriffen und sammelt pausenlos Deadpool Points. Mit diesen Punkten könnt ihr diverse Boni kaufen um eure Spezial-Kombos und alles mögliche andere Zeugs aufzuwerten. Auch wenn es einige typische und eher innovationslose Abschnitte zu durchkämpfen gibt, gestalten sich die Gefechte insgesamt unterhaltsam und dynamisch. Das liegt vor allem am guten Kampfstil und der herrlichen Übertreibung Deadpools. Sollte sich euer Held dabei verletzen, kann er sich übrigens selbständig regenerieren, denn wie bekannt verfügt Deadpool über Selbstheilungskräfte.

Was nicht gefällt sind die eher hakligen Kameraführungen und die schwammige Steuerung um Deadpool geschwind durch die leider linearen Level zu steuern, braucht ihr schon einige Eingewöhnungszeit. Zudem fehlt es beim Spiel an fordernden Bossen und einer Portion unterschiedlicher Feinde. Für Abwechslung sorgen in ruhigeren Momenten hingegen die Klettereinlagen und die spontan aber witzigen Mini-Spielchen. Zwischendrin gibt es ab und zu Rail-Shooter-Passagen, wie in einem gekaperten Helikopter. Positiv sind zudem die vielen Anspielungen auf die Popkultur, auf die anderen Comic-Helden und die riesige Anzahl verrückter Situationen. Die Grafik hingegen wird keine Lobeshymnen einfahren. Sie wirkt altbackend und ist nicht gerade das Glanzstück des Action-Titels. Dem gegenüber stehen der Sound-Track und die Effekte, die eines Comic-Titels würdig sind und eine tolle Stimmung erzeugen. Leider bleibt in der deutschen Version die Sprachausgabe in Englisch, aber dafür gibt es deutschen Untertitel.

Die Entwickler haben es geschafft abgedrehte Spielinhalte mit einem Schuß Witz zu verbinden. Zudem wurde die gespaltene, vulgäre und gewalttätige Persönlichkeit Deadpools so gestaltet, dass sie tatsächlich einem ans Herz wächst. Da kann man die simple Kampfmechanik, die etwas holprige Steuerung und die Grafik in den Hintergrund schieben. Star ist eben die Figur Deadpool selbst und die bietet trotz der Menge 6 bis 7 Stunden gute Unterhaltung. Comicfans werden ganz sicher ihre Freude mit der egozentrischen Quasselstrippe haben.

WERTUNG: Grafik: 72%, Sound: 75%, Steuerung: 73%, Balance: 73%, Spielspass: 75%, Mehrspieler: 73%, Gesamtwertung: 74%.