Harveys neue Augen – Gamecheck

Auch wenn es sich bei -Harveys neue Augen- nicht um eine Fortsetzung von -Edna bricht aus- handelt, so dürfen sich alle Fans des besagten Spiels dennoch auf einen Titel aus der gleichen Feder freuen. Die Verantwortlichen zeigen sich nämlich auch diesmal wieder zuständig für ein kunterbuntes Point and Click Adventure. Daedalic bringt uns das Spiel auf den PC.

Zu Beginn müssen sich Käufer von Harveys neue Augen nicht mit einem schlecht funktionierenden oder störenden Kopierschutz auseinandersetzen. Das Spiel verzichtet nämlich auf softwareseitige Maßnahmen und legt der Spielehülle eine, aus alten Adventurespielen bekannte, Codescheibe bei. Diese dreht Ihr von zwei Seiten so wie es das Spiel eingangs von Euch verlangt. Den daraus genierten Code gebt Ihr ein und los geht der Spass.

Ihr spielt Lilli, eine brave und unbescholtene Klosterschülerin. Diese wird durch die Oberin Ignatz erzogen und genau im Auge behalten. Das wir uns da nicht selten wünschen einmal etwas verbotenes zutun ist kaum verwunderlich. Schnell treffen wir dann auch unsere beste Freundin Edna. Diese sieht Regeln nicht so eng und setzt sich auch liebend gerne darüber hinweg um die Oberin zur Weißglut zu bringen. Also lassen wir, in Figur von Lilli, uns verleiten das brave Mädchenimage abzuwerfen. Auch wenn Lilli von Anfang an den Eindruck vermittelt, psychisch nicht gerade der Norm zu entsprechen, identifiziert sich der Spieler schnell mit ihr, und ihrer kindlichen, sehr wortkargen Art die Welt zu erkunden. Selbst mit ihrer Freundin Edna spricht sie kaum mehr als ein Wort im Mono-Dialog.

Die Spielwelt ist komplett gezeichnet. Ihr findet Euch wieder im Garten des Klosters. Die Spielfiguren sind dabei sehr liebevoll und detailliert umgesetzt. Ein Grafikwunder ist hier nicht zu erwarten und wäre auch fehl am Platze. Ganz besonders ins Ohr sticht der Sprecher des Spiels. Dieser lässt den Spieler immer wieder glauben, kurze Sequenzen eines Hörspiels zu geniessen. Lilli selbst wird durch die Maus gesteuert. Gegenstände welche interessant sind oder untersucht werden können werden durch einen veränderten Mauszeiger hervorgehoben. Weiss der Spieler einmal nicht weiter hat man ausserdem die Möglichkeit durch einen Druck auf Space alle interaktiven Elemente auf dem derzeitigen Bildschirm anzeigen zu lassen. Die Steuerung ist somit sehr eingehend. Harveys neue Augen ist komplett vertont. Dabei fällt nicht nur die oben bereits positiv genannte Erzählerstimme auf sondern auch der gut gelungene und satirische Humor. Fast jedes Item ist mit einem flotten Spruch belegt, umsehen lohnt sich also.

In der Geschichte beginnt Lilli vorerst kleine Aufgaben im und um das Kloster zu erledigen, wobei sie es Oberin Ignatz niemals Recht machen kann. Während dessen ist ihre Freundin Edna bereits damit beschäftigt im Beet einen Schatz zu suchen. Schnell wird klar hier wird auf hohem Niveau gerätselt. Selbst die ersten Schritte bringen den Spieler bereits zum grübeln und verlangen so einiges an Kombinationsgeschick. Ist ein Rätsel dann aber gelöst und geht es in der Story weiter macht sich ein gewisser Stolz beim Spieler breit, welcher motiviert Harveys neue Augen weiter zu spielen. Technisch ist das Spiel entgegen dem Erstling -Edna bricht aus- auf dem Stand der Zeit und liefert ein ordentliches Point and Click Adventure ab.

Die Welt ist in Ordnung bis eines Tages der fragwürdige Dr. Marcel im Kloster auftaucht und Lilli mit Edna verschwinden. Was weiter passiert muss der geneigte Zocker dann schon selbst herausfinden. Bis auf leichte Schwächen im Mittelteil des Spiels, durch zu simple Rätsel, kann Harveys neue Augen in ca. 8 Stunden Spielzeit überzeugen. Auch der namensgebende Hase Harvey taucht später auf und klinkt sich in das Spielgeschehen ein. Von uns gibt es eine klare Kaufempfehlung. Dieses Genre könnte gut und gerne weitere Titel als Nachschub in der Zukunft gebrauchen. Und wenn dann auch noch die Umsetzung so gut gelungen ist wie bei Harveys neue Augen, finden auch Neulinge des Point and Clicks zu dieser Spielart.

[gamecheck]80 93 89 84 89 0[/gamecheck] WERTUNG: Grafik: 80%, Sound: 93%, Steuerung: 89%, Balance: 84%, Spielspass: 89%, Mehrspieler: na%, Gesamtwertung: 87%.