Kingdoms of Amalur – Reckoning – Gamecheck

Nach dem Winterloch startet zumindest Electronic Arts und der Entwickler 38 Studios wieder durch. Sie präsentieren uns Kingdoms of Amalur – Reckoning für den PC, die XBox 360 und die Plastation 3, welches wir uns folgend einmal genauer anschauen möchten.

Unser Held ist tot und findet sich auf einer Trage liegend vor. So leblos beginnt der Held im Fantasy Rollenspiel Kingdoms of Amalur – Reckoning sein Abenteuer. Während zwei Zwerge die Leiche begutachten, bestimmt der Spieler Aussehen und Namen der Hauptfigur. Kurz darauf wird sie durch einen mysteriösen Seelenquell ins Reich der Lebenden zurück geholt. Es folgt eine überstürzte Flucht und die Erkenntnis, dass der Protagonist Teil einer wichtigen Prophezeiung ist. Seine Reise soll das Schicksal von Amalur bestimmen. Besonders tiefgreifend sind die Möglichkeiten für Entscheidungen des Spielers aber nicht. Dialogsequenzen beschränken sich meist darauf Aufträge anzunehmen oder auf später zu verschieben. Der Eindruck eine eigene Geschichte zu formen kommt so nicht auf.

Der rote Faden einer Haupthandlung geht im im Wirrwarr zahlreicher NPC Auftraggeber ohnehin schnell verloren. Unzählige Nebenquests sind zwar positiv zu benennen, verlangen aber oft nur simple Botengänge und Sammelaufgaben, welche in der Häufigkeit eher aus Online-Rollenspielen bekannt sind. Sobald der Spieler die alles verbindende Oberwelt betritt, fühlt er sich durchgehend wie in einem MMO. Nur eben ohne Mitspieler. Passend dazu sieht Kingdoms of Amalur – Reckoning wie eine ausgereiftere und etwas erwachseneren Kopie einer Spielewelt aus, welche uns an ein besonders grosses MMORPG erinnert.

Einige Höhlen mit leuchtenden Pflanzen und einige Zaubereffekte sind hübsch anzusehen. Auf kurze Distanz aufpoppende Grafikdetails stören das Gesamtbild aber nachträglich. Entgegen der linearen Geschichte bietet die Charakterentwicklung in Kingdoms of Amalur – Reckoning grosse Freiheit. Spieler müssen sich zu Anfang nicht auf eine bestimmte Klasse festlegen, sondern können ihren Helden, bei jedem Levelaufstieg, beliebig weiterbilden. Selbst wer sich viele Stunden darauf konzentriert, ein mächtiger Magier zu werden, kann sich jederzeit noch zu einem starken Nahkämpfer entwickeln.

Die Fertigkeitsbäume der drei Grundkategorien: Zauberkraft, Raffinesse und Macht sind umfangreich. Gefundene Waffen und Rüstungsteile sind im Inventar direkt am Charakter sichtbar. Fast jeder besiegte Gegner lässt zur Belohnung Gold und Gegenstände fallen. Spieler können Objekte schon beim aufheben dieser mit der aktuell angelegten Komponente vergleichen. Im Inventar sorgt die -Plunderkiste- für Übersicht. Dorthin verschieben Spieler alles was sie selber nicht brauchen und einfach nur verkaufen wollen. Somit ist eine frühzeitige Sortierung des Inventars schon von unterwegs aus möglich.

Der wohl grösste Unterschied zwischen Kingdoms of Amalur – Reckoning und anderen Rollenspielen ist das komplett in Echtzeit ablaufende Kampfsystem. Die direkte Steuerung der Angriffe funktioniert sehr gut und ist deutlich flotter und dynamischer als rundenbasierte Varianten. Dank seiner flüssigen Animationen schlägt Kingdoms of Amalur – Reckoning in diesem Bereich sogar andere aktuelle Rollenspiele, wo Spielfiguren im Kampf oft nur unbeholfen durcheinander schlagen. Die Kombination zweier gleichzeitig auswählbarer Waffen und zusätzlicher Zauber, bieten taktische Möglichkeiten, welche man aber nur selten ausreizen muss. Direktes angreifen und gekonntes Ausweichen führen meistens schon zum Erfolg.

Kingdoms of Amalur – Reckoning wirkt über weite Strecken so als hätte es ein MMO werden sollen. Und dies ist weder abwegig, noch für die Zukunft ausgeschlossen. Ohne Mehrspielermodus ist die Welt teilweise zu leblos, da die Handlung für einen Solotitel nicht packend genug erzählt wird, läuft der Spieler häufig eher gelangweilt durch schlichte und weitläufige Areale des Spiels. Die Dialoge sind mit vielen Namen und Informationen gefüllt, nicht aber mit fesselnden Geschichten. Das direkte Kampfsystem sticht dagegen positiv hervor. So dynamisch wie hier, schlagen, schiessen und zaubern Spieler derzeit in kaum einem anderen Rollenspiel.

Wir werden uns den Titel im weiteren Spielverlauf noch genauer ansehen und zu einem späteren Zeitpunkt einen Videotest nachreichen. Bis dahin macht Euch selbst ein Bild von Kingdoms of Amalur – Reckoning. Den Kauf werden Rollenspiel-Freunde trotz der kleineren Abstriche sicher nicht bereuen.[gamecheck]89 87 93 90 88 0[/gamecheck] WERTUNG: Grafik: 89%, Sound: 87%, Steuerung: 93%, Balance: 90%, Spielspass: 88%, Mehrspieler: na%, Gesamtwertung: 89%.