Need for Speed – The Run – Gamecheck

Eine Handlung in einem Rennspiel, das haben schon einige Genrekandidaten versucht. Auch das eine oder andere vorangegangene Need for Speed. Wir erinnern uns an die zwar cool gemacht aber letztlich recht dünnen und arg austauschbaren Storyhappen aus Most Wanted. The Run probiert es mit einem greifbaren Helden, welcher zu Beginn des Spiels ein gewaltiges Problem hat. Nämlich einen riesen Berg Schulden, die ein paar finstere Jungs sprichwörtlich aus ihm herauspressen wollen. So finden wir uns in unserem Wagen direkt in einer Schrottpresse wieder, welcher wir nur aufgrund unserer flinken Finger entkommen können. Schon bald bekommt der Protagonist durch eine ominöse Frau ein verlockendes Angebot unterbreitet. Nimmt Jack an einem illegalen Strassenrennen quer durch die USA teil und gewinnt es, hagelt es 2,5 Millionen Dollar in bar. Wer angesichts dieser Story nun einen ausgeklügelten Plot erwartet den müssen wir enttauchen. Im Verlauf der etwa acht Spielstunden umfassenden Handlung bleibt Jacks Herkunft ebenso unergründet wie die seiner Gegenspieler.

Zwischensequenzen sind zwar sprichwörtlich schön anzuschauen, gibts aber viel zu selten und dienen letztendlich nur zur atmosphärischen Überleitung eines Rennens in das Nächste. Auch die Sequenzen in denen wir zu Fuß unterwegs sind erzählen kaum Bemerkenswertes und fallen zudem sehr anspruchslos aus. Denn die QuickTime Events sind zwar cool gefilmt und rasant geschnitten, bestrafen Fehler aber nicht. So macht es zum Beispiel keinen Unterschied ob wir bei den vielen Schnelligkeitsübungen die falsche taste drücken, solange wir rechtzeitig vor Ablauf der Zeit die richtige betätigen. Soll heissen – pures Buttondrücken funktioniert blendend. Immerhin, meistern wir den Abschnitt, dürfen wir uns einen neuen Wagen aussuchen.

Need for Speed – The Run ist ein Actionrennspiel reinsten Wassers. Hier wird auf Realismus gepfiffen. Stattdessen gehts mit einem sehr arcadelastigen Fahrverhalten an den Start. Doch selbst im Vergleich zum quasi Vorgänger Hot Pursuit allerdings zu arcadelastig, denn die Boliden liegen wie ein Brett auf der Strasse. Selbst wenn man es drauf anlegt ist es kaum möglich die Autos zum Ausbrechen zu bewegen. Erst mit dem sensiblen Einsatz der Handbremse ist es überhaupt möglich Drifts hinzulegen. Doch dafür ist viel Einarbeitungszeit nötig, weil die sonst sehr handzahmen Autos hier ganz besonders empfindlich reagieren. Hat man sich jedoch daran gewöhnt geht das Handling gut von der Hand. Auch wenn wir ein wenig die Präzision eines Hot Pursuit vermissen.

Auch bei der KI gibt es diverse Kritikpunkte. So reagieren die Kontrahenten für ein Actionrennspiel ausgesprochen passiv. Zu Rempelaktionen kommt es sehr selten. Stattdessen folgt die KI stur ihrer Linie. Das fällt vor allem bei den Cops auf die viel zu selten Ambitionen zeigen uns überhaupt anhalten zu wollen. Und wenn die Polizisten mal coole Manöver hinlegen, sind sie gescriptet und deshalb schnell durchschaut. Das nimmt den Verfolgungsjagden vor allem im Vergleich zu Hot Pursuit viel an Dynamik. Teilweise wieder gut gemacht wird dies durch die Modi in welche uns Need for Speed – The Run im Verlauf schickt. Die gewinnen zwar keine Innovationspreise, machen aber durchaus Laune. Etwas wenn wir unter enormem Zeitdruck Checkpoints abklappern müssen, oder besonders schnell fahrende Kontrahenten erst überholen und dann die Führung 30 Sekunden verteidigen müssen.

Besondere Highlights sind Rennevents in denen wir es auch mit der Natur zutun bekommen. Im Death Valley Gegner möglichst schnell überholen zu müssen während ein starker Sandsturm tobt, das hat schon was. Später im Spiel heizen wir in einem geklauten Polizeiwagen durch das nächtliche Chicago während uns ein bewaffneter Helikopter jagt und wir nur entkommen können wenn wir dessen Scheinwerferkegel durch halsbrecherische Slalommanöver ausweichen. Besonders beeindruckend ist, die in Trailern häufig präsentierte, Fahrt durch die Rocky Mountains, während gerade gezielt ausgelöste Lawinen auf die Strasse donnern. Allerdings können wir solche Hingucker an einer Hand abzählen. Im Grunde weiss nur etwa eines von 20 Rennen sich in derart spektakulärer Weise zu präsentieren. Schade um das verschenkte Potenzial.

Immerhin bietet Need for Speed – The Run abseits solcher Showmomente viel fürs Auge. Vor allem das Streckendesign weiss durch reichlich Abwechslung zu überzeugen. Da kurven wir durch einen Nationalpark, heizen durch das staubige Death Valley, machen die Strassen, Brücken und Tunnel von Detroit unsicher, brettern durch das leider nur spärlich beleuchtete Las vegas oder staunen über die gewaltigen Felsmassive in den verschneiten Rocky Mountains. Ebenso wie das Streckendesign, motiviert das aus Hot Pursuit bekannte Erfahrungspunktesystem. Quasi jedes gelungene Manöver wird belohnt. Ständig ploppen entsprechende Melungen auf, die dann nach dem Rennen zusammen gezählt werden. Bei einem Levelaufstieg hagelt es zusätzlich Extras, wie etwa ein stärkeres Nitro. Das hält bei der Stange, kaschiert aber nur zum Teil, das das serientypische Tuning in The Run weitgehend gestrichen wurde.

Grafisch macht das neue Need for Speed einen sehr guten Eindruck, verliert aber dennoch gegen seinen direkten Vorgänger Hot Pursuit. Und das obwohl im Hintergrund die Frostbite Engine 2 werkelt, welche schon Battlefield 3 zum bekannten Glanz verholfen hat. zwar weis die Umgebung durchaus zu überzeugen, aber nur wenn die Gegend mit Pflanzen und Bäumen bestückt ist. Fällt das weg, wie zum Beispiel im Death Valley wirds schnell recht detailarm und öde. Auch der Detailgrad der Fahrzeuge sowie deren Spiegelungen sind nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Da haben wir schon hübscher modellierte Sportwagen gesehen. Dabei weiss die Frostbite Engine 2 Partikeleffekte höchst eindrucksvoll einzusetzen. Vor allem bei Sandstürmen oder der berühmten Lawinensequenz. Das sieht nicht nur cool aus, sondern knallt auch ordnungsgemäß aus dem 5.1 Lautsprechern. Hätte es doch davon nur ein bisschen mehr gegeben.

Need for Speed – The Run ist ein kurzweiliges, actiongeladenes Rennspiel geworden. Ein Rennspiel das versucht eine Geschichte zu erzählen. Das aber nur teilweise erfolgreich tut. Hierfür wird der Handlung und den Protagonisten einfach zuwenig Zeit eingeräumt. Auch auf der Strecke verliert The Run gegen seinen Vorgänger Hot Pursuit. Das Fahrverhalten sowie auch die KI hätten etwas mehr Feinschliff vertragen können. Dafür überzeugen sowohl die Rennmodi als auch das Streckendesign. Soll heissen: Need for Speed – The Run ist zwar kein Glanzstück der Serie aber auch kein Totalversager. Angesichts der derzeit mauen Rennspielkonkurrenz kann man durchaus zugreifen. WERTUNG: Grafik: 85%, Sound: 89%, Steuerung: 91%, Balance: 81%, Spielspass: 86%, Mehrspieler: 80%, Gesamtwertung: 85%.