Saints Row IV – Game of the Century-Edition (PS3) Gamecheck

In Saints Row IV ist die Saints Gang wieder für ihre Lieblingsmischung aus Sex, Gewalt und blinder Zerstörungswut unterwegs um die Welt zu retten. Im Spiel wird die Erde mal wieder, wie kann es anders sein, von garstigen Aliens überfallen. Und diese gilt es abzuwehren im Saints Row-Style. Aber wie kämpft man im Saints Row-Style gegen den Müll vom anderen Stern? Natürlich, wie soll es anders sein, mit Superkräften. Zum Beispiel indem man fliegt oder senkrecht die Wand hochläuft oder indem man mit Gedankenkraft Autos durch die Luft schleudert. Wie das ist alles total absurd und völliger Unsinn. Natürlich. Das ist auch das Tolle dran. Also willkommen bei Saints Row IV.

Wir haben es als Bandenführer der Saints Gang doch tatsächlich ins weisse Haus geschafft. Dazu mussten wir nur in klassischer Call of Duty-Manier einen Terroristen stellen und selbst aufopferungsvoll dessen Nuklearrakete aufhalten. Natürlich nicht am Boden, das könnte natürlich jeder, sondern während sie fliegt. Nach dieser Heldentat werden wir nun als Präsident mit unbedeutenden Entscheidungen belästigt. Zum Glück erklären uns ein paar feindselige Aliens diesem trüben Dasein und nebenbei der Menschheit und der ganzen Erde den Krieg. Endlich Zeit für ein bißchen Action. Dummerweise erweist sich der bullige Alien-Anführer Zinyak als ziemlich harte Nuss und sperrt uns kurzerhand in eine alptraumhaft parodistische Computersimulation des Americas der 50er Jahre ein. Da uns diese Friede, Freude, Eierkuchen-Mentalität ziemlich auf den Senkel geht und wir in Saints Row-Manier natürlich das Randalieren beginnen, geht Zinyak dazwischen und sperrt unseren Geist prompt ins Steelport ein, dem Schauplatz des direkten Vorgängers Saints Row – The Third. Da hilft nur noch nackte Waffengewalt, im wahrsten Sinne des Wortes. Verzweifelte Situationen erfordern halt verzweifelte Maßnahmen. Mit Hilfe unserer Freunde und des natürlich des nicht minder schussgewaltigen Vizepräsidenten gelingt uns schließlich die Flucht aus der Simulation. Fortan schweben wir als Kämpfer in einem intergalaktischen Krieg durchs Weltall, lernen unsere Crew näher kennen und hacken uns immer ins Cyber-Steelport, um den Krieg gegen Zinyak und seine Schergen zu führen. Und somit fängt Saints Row IV erst richtig an.

Spieler der Vorgänger insbesondere von Saints Row – The Third dürften sich in der Steelport-Matrix sofort heimisch fühlen, denn an der grundlegenden Spielmechanik hat sich gar nicht so viel geändert. Wir können entweder den storygetriebenen Haupt- und Nebenmissionen folgen oder wir befreien einfach auf eigene Faust Viertel für Viertel vom Steelport von der Fremdbesetzung, indem wir Schießereien bestreiten oder indem wir Minispiele aller ’Zerstöre-alles-mit-schwarzen-Löchern’ absolvieren oder indem wir uns an der allehrwürdigen Kunst des Superhelden-Parkour versuchen. Mit dem verdienten Geld und bei Level-Aufstiegen rüsten wir unser Waffenarsenal auf, verschaffen uns Boni im Kampf und verbessern unsere persönlichen Fähigkeiten. Und so entwickelt unser Held im Laufe der Zeit immer mehr und immer stärkere Superkräfte. Beginnt es anfänglich mit einem kleinen Sprint, kommen im späteren Spielverlauf immer mächtigere Fähigkeiten hinzu. Da werfen wir dann im Kampf gegen den telekinetisch, begabten Kloschüsselgegner je nach Bedarf Feuer oder Eisbälle. Wir schmettern Autos und Passanten per Telekinesekraft durch die Lüfte oder wir hüpfen oder gleiten durch die Häuserschluchten von Steelport. Damit das Spiel dank unserer Superkräfte nicht zu einfach wird, halten die Feindgruppen nun deutlich mehr aus. Und Zwischengegner mit ähnlichen Mutantenkräften fordern uns immer wieder zum Duell. Die Obermotze können wir nur mit dem Einsatz unserer Matrix- Fähigkeiten besiegen. Pure Waffengewalt hilft da wenig. Das klingt zwar alles schön und gut und die Superkraft-Duelle können auch wunderbar Spaß machen. Aber eins können sie nicht kaschieren, die strohdoofe künstliche Intelligenz unserer Gegner. Schon klar, die war schon in den Vorgänger-Spielen nicht besonders, aber so langsam nervt die Dummheit des Kanonenfutters nun doch, da über die Jahre kein Fortschritt zu erkennen ist. Hingegen ist das Element, dass dem Spiel seinen Kultstatus verdankt, kaum wegzudenken, nämlich dem abgefahrenen, politisch inkorrekten, geschmacklosen, absurden, nicht gerade kindgerechten und völlig irrsinnigen Humor.

Das Thema Technik ist ein schwieriges Thema beim Spiel. Saints Row IV, was auf der gleichnamigen Engine wie der Vorgänger basiert, sieht inzwischen arg in die Jahre gekommen aus. Die Levelabschnitte und die Figuren sehen nicht gerade schön aus. Etwas besser sieht es in Steelport aus, dessen Optik schon im dritten Teil akzeptabel war. Aber an den Klonfeinden hat sich ebenso wenig geändert wie an mancher Texture-Schwäche. Auf üblich erstklassigen Niveau bewegt sich die rein englische Vertonung. Die Sprecher passen sehr gut zu ihren Charakteren und Zinyak klingt wunderbar höhnisch, arrogant und hochmütig.

Neben dem Hauptspiel selbst, erwarten euch in der Game of the Century-Edition alle DLCs, die insgesamt mehr als 20 Stück umfassen. Im Detail gibt es in der Century-Edition folgende DLCs: Commander-in-Chief Pack, Online Pass, Volition Comics Pack, Saints Row IV Season Pass, The Rectifier, Executive Privilege Pack, Brady Games Pack, Grass Roots Pack, Presidential Pack, Dubstep Gun (Remix) Pack, Wild West Pack, GAT V Pack, Enter The Dominatrix, The Super Saints Pack, Pirate’s Booty Pack, Thank You Pack, Element of Destruction Pack, Zinyak Attack Pack, Hey Ash, Whatcha Playin? Pack, How the Saints Saved Christmas, Anime Pack, Stone Age Pack, Bling Bling Pack, Reverse Cosplay Pack, GameStop Warped Weapon Challenge, Game On, College Daze, Mercia Gun.

Die zahllosen Anspielungen auf Spiele und Filme kommen im Spiel sehr oft vor. Das sorgt dann entweder für Action oder den schön übertriebenen Humor. Genau das macht Saints Row IV eben aus. Es ist ein Reigen von Zitaten und Anspielungen auf die gesammelte Popkultur der letzten Jahrzehnte. Respektlos, zu einem übersteigerndem Mischmasch aus Sex, Chaos und Gewalteben . Wer daran seinen Spaß hat, ist mit Saints Row IV ausgezeichnet bedient, zumal die Superkräfte noch mal frischen Wind in das langsam staubansetzende Spielprinzip bringen. Aber Vorsicht, auf technischer Ebene enttäuscht Saints Row IV, ebenso bei der noch immer doofen KI der Gegner. Das muss Serien-Neulingen nicht gefallen, aber Alteingessene wissen Bescheid.

WERTUNG: Grafik: 83%, Sound: 85%, Steuerung: 84%, Balance: 84%, Spielspass: 85%, Mehrspieler: 84%, Gesamtwertung: 84%.