Star Wars – The Old Republic – Gamecheck

Viel schneller als bei so manch anderen Konkurrenten ist es auch schon da. Biowares Meisterstück Star Wars – The Old Republic, welches der Publisher Electronic Arts unters Volk bringt. Ein grosser Name, der im Vorfeld bereits für viel Spannung gesagt hat. Zuvor als weiteren World of Warcraft-Clon verschrien, dürften wohl die ersten Gamer während der Betaphase umgedacht haben, denn The Old Republic ist auf seine Art doch wieder ganz anders. Seit dem 20. Dezember ist das Spiel für Jeden erhältlich und bereits jetzt tummeln sich viele tausend Spieler auf den unterschiedlichsten Servern. Mehr zum Game im nun folgenden Test.

Beginnen wir bei bereits genannten Servern. Hier stellt Bioware eine ganz besonders hohe Anzahl bereit um dem Spieleransturm annähernd gerecht zu werden. Zur Auswahl stehen die bekannten PvE und PvE Server, aber auch spezielle Plattformen für Rollenspieler. Da derzeit mit einem hohen Spielerzuwachs zu rechnen ist, empfiehlt es sich in der Anfangszeit einen möglichst leeren Server zu wählen. Dies ist an der Auslastungsanzeige zu erkennen. Neben amerikanischen Servern, werden europäische in Englisch, Französisch und Deutsch angeboten.

Haben wir diese erste Hürde genommen geht es auch schon los. Die Charaktererstellung geht leicht und gewohnt von der Hand. In jeder der zwei Fraktionen, der Republik und dem Imperium, stehen jeweils vier Klassen bereit. Diese sind das jeweilige Spiegelbild ihrer Kontrahenten der anderen Fraktion und unterscheiden sich nur marginal. Trotzdem ist die Wahl mit Bedacht zu treffen, denn sie entscheidet über Euer Aussehen, Euer Volk und Euren Startplaneten. Weitere Besonderheiten bei der Charaktererstellung bietet The Old Republic nicht. Im Gegenteil, hier haben wir schon mehr Freiheitsgrad gesehen. Dazu muss erwähnt werden, das sich jeder Spieler mit erreichen der zehnten Levelstufe noch einmal in eine von zwei Richtungen spezialisieren kann. Als Krieger beispielsweise zu den Klassikern: Tank oder Schaden. Ab dann stehen auch die jeweils drei Talentbäume zum befüllen mit Punkten bereit.

Gleich zum Anfang fällt uns der grösste und bedeutungsvollste Unterschied zu MMORPG-Konkurrenten auf. Jede Zwischensequenz ist in Spielgrafik inszeniert und jeder Dialog vertont. Wenn wir sagen jeder Dialog, dann meinen wir das auch. Unfassbar aber wahr. Egal welchen NPC Ihr ansprecht, egal welchen Quest Ihr erledigt, einfach alles kommt in deutscher Sprachausgabe über Eure Lautsprecher. Dies ist nicht nur technisch excellent, sondern reisst Euch auch in der heutigen Zeit noch tief mit in die Spielwelt und verbindet Euch deutlich mehr mit Eurem Charakter wie bisher. Jedes Gespräch wird dabei ohne Verzögerung in eine Egoperspektive geschaltet. In den Gesprächen selbst haben wir ausserdem die Auswahl zwischen verschiedenen Antwortmöglichkeiten. Auch hier fällt positiv auf: Diese sind nicht zu komplex und auch nicht zu umfangreich. Ein zügiger Wortwechsel ist also garantiert, zumal die nächste Antwort schon gewählt werden kann während das Gegenüber noch spricht. Hier fallen auch zum ersten Mal die Wertungen auf. welche ihr für gutes und böses Verhalten bekommt.

Es reicht also nicht Euch anfangs für eine Fraktion zu entscheiden – ihr müsst Eure Überzeugung auch konsequent im Spiel umsetzen. Oft habt ihr hier Antworten, welche in die eine oder andere Richtung steuern. Sammelt Ihr genug Punkte in eine Richtung, erhaltet Ihr später Zugriff auf besondere, mächtige Gegenstände. Wir ertappten uns aber auch immer wieder dabei, zwischenzeitlich das Böse zu wählen statt dem eigentlich eingeschlagenen Gutes, weil wir es nicht eingesehen haben so manchen Bösewicht einfach davonkommen zu lassen. So kann der Spieler also Gnade walten lassen oder dem Gegenüber mit seiner Waffe versuchen Manieren beizubringen. Aufgrund dieser Spielmechanik entwickelt jede Spielfigur ihren individuellen Charakter.

Die ca. ersten zehn Spiellevel verbringen wir auf unserem Heimatplaneten, auf welchem wir uns erst einmal einen Namen machen müssen. Ausserdem erzählt dieser Prolog die Geschichte der Verfeindung der zwei Fraktionen. Besonders gut gelungen ist das sehr behutsame Einführen des Spielers in die Funktionen, welche Euch Stück für Stück näher gebracht werden. Habt Ihr den Prolog abgeschlossen, meist verbunden mit dem erstellen einer mächtigen Waffe, geht auch schon in die grosse, offene Welt hinaus. Um die Charakterklassen besser mit einer eigenen Story ausstatten zu können setzt Bioware auf das Instanz-Prinzip. Sprich bestimmte Bereiche sind nur von bestimmten Klassen betretbar und führen die Story fort. Immer wieder erhalten wir hilfreiche Hinweise eingeblendet welche uns weitere Funktionen des Spiels näher bringen.

Die Quests und das Gameplay erfindet das Rad definitiv nicht neu. Die gesamte Spielmechanik haben wir so auch schon in etlichen Genrevertretern gesehen. Die Kämpfe laufen gewohnt ab, die Quests bestehen aus reden, sammeln und töten. Dennoch macht The Old Republic das was es macht sehr gut. Gerade in den durch die Orignalschauplätze und Originalsounds inszenierten Kämpfen fühlen wir uns gleich zuhause. Was gut ist bleibt eben gut und macht auch hier eine tolle Figur. Ausserdem erfreuen wir uns natürlich an den charakteristischen Lichtschwertkämpfen. Quests werden übersichtlich sortiert angezeigt und es wird schnell klar wo eine Gruppe von Nöten ist um den Widersachern den Gar aus zu machen. Darüber hinaus bietet jede Charakterklasse auch seine Besonderheiten um mit der Umgebung zu interagieren. Abwechslung bieten dann aber doch die kurzweiligen Weltraumschlachten, in welchen Ihr mit Eurem eigenen Schlachtschiff teilnehmen könnt. Leider können wir uns hier jedoch nicht frei bewegen, sondern werden durch einen vorgegebenen Weg gezogen. Ausserdem erwarten uns viele, kleinere Bonusmissionen welche wir automatisch erhalten wenn wir uns in einem bestimmten Gebiet aufhalten und welche uns zusätzliche Erfahrungspunkte bescheren.

Wir müssen das Spiel ohne Gruppe dennoch nicht alleine bestreiten, denn der Spieler erhält schon früh seinen ersten KI-Begleiter an die Hand. Dieser unterstützt und tatkräftig im Kampf und kann sogar zu einem echten Freunde werden. Dies verdanken wir den Punkten für Loyalität. Aufbauen können wir diese durch “richtige” Antworten in Dialogen, welche auch unserem Begleiter zusagen. Desto enger die Bindung zwischen dem Spieler und seinem Begleiter ist, desto stärker wird dieser. Wir können geringen Einfluss auf sein Verhalten nehmen, dazu wird uns extra eine weitere Skill-Leiste eingeblendet. Der Begleiter levelt ausserdem fleissig mit. Leider zählt unser Kollege dabei auch zur Gruppengrösse, weshalb wir ihn entfernen müssen sobald ein weiterer, menschlicher Spieler die volle Gruppe betreten möchte.

Wo wir gerade bei Punkten sind dürfen die Sozialwerte nicht unerwähnt bleiben. Befindet sich ein Spieler in einer Gruppe und führt einen Dialog, so nehmen alle Gruppenspieler daran teil. Desto mehr Spieler nun die gleiche Antwort aus den Auswahlmöglichkeiten wählen, desto mehr Sozialpunkte gibt es für alle. Dies stärkt das Gruppengefühl und bietet eine echte Neuerung.

Zum sonst eher als Standard anmutenden Interface sei noch das Inventar erwähnt. Dieses umfasst drei Bereiche für normale Gegenstände, Questitems und Währungen. Dadurch verstopfen viele Dinge nicht mehr das normale Inventar und ihr könnt auch bei vollen Taschen noch Quests erledigen. Der Rest des Interface besteht aus einer übersichtlichen Minimap, der obligatorischen Skillleiste, der Questübersicht und einigen Optionsbuttons. Hier dürfte sich jeder schnell zurecht finden.

Technisch macht The Old Republic deutliche Abstriche im Vergleich zur aktuellen Konkurrenz. Die Grafik wirkt durchschnittlich und nicht mehr ganz zeitgemäß. Hier muss der Vollständigkeit aber darauf hingewiesen werden, das sich die Grafik in der fertigen Version im Vergleich zu Verabversionen noch einmal deutlich verbessert hat. Dennoch bleiben viele Texturen matschig, wenig detailliert und viele grosse Räume wenig gefüllt. Einen Teil davon macht The Old Republic durch den excellenten Soundtrack wieder wett. Für Star Wars Fans sicher absolut keine Hürde und auch alle anderen Spieler, welche eine gute Story und cooles Gameplay der Grafik vorziehen, sollte dies kein Hindernis darstellen. Sehr positiv fällt die erstaunliche Bugfreiheit auf. zugegeben, unsere Redaktion hat bisher die Level 20 Grenze nicht überschritten, dennoch scheint sich der lange Betatest gelohnt zu haben. The Old Republic ist komplett übersetzt und scheint wie ein schweizer Uhrwerk zu ticken.

Im Fazit kann man nur von einem hervorragenden Spiel sprechen. Star Wars – The Old Republic ist ein würdiger Vertreter des MMORPG-Genre. Wer über altbackene Quests in befriedigender Grafik hinwegsehen kann der erhält ein fesselndes Spiel mit glänzender Story, welches den Gamer kaum noch loslässt. Bei The Old Republic handelt es sich um ein Spiel mit Abo-Gebühren. Diese belaufen sich auf etwa 13 Euro im Monat. 30 Tage sind bei Kauf inbegriffen. Von uns gibt es eine klare Kaufempfehlung. Ein Liebhaber von online-Rollenspielen kommt hier nicht vorbei.

WERTUNG: Grafik: 80%, Sound: 92%, Steuerung: 92%, Balance: 89%, Spielspass: 90%, Mehrspieler: 90%, Gesamtwertung: 89%.